Bildende Kunst, Werkbeitrag 2005

„Wie ein Augenpaar leuchten die beiden Monitore in den Raum. Zu sehen ist zeitverschoben das gleiche Videoband, das das Sehen und die Wahrnehmung mittels Bilder produzierender Maschinen – Kameras, Diaprojektoren, Videomonitoren – zum Thema macht. Das Licht des Diaprojektors schwenkt durch einen dunklen, scheinbar engen, verstellten Raum, einer eigentlichen geheimnisvollen Camera obscura; man erkennt immer wieder einen Fernsehmonitor. Der Ausschnitt, der durch dieses schwenkende Licht sichtbar wird, zeigt dabei verschiedene weitere Ausschnitte und Formate: den Bildschirm als Bildformat etwa oder der Rahmen eines Fensters zur Aussenwelt, wo man, wiederum im Hintergrund, ein Fenster sieht. Zu den Videos, die jeweils unterschiedliche Momente des Films parallel vor Augen führen, ist ein Geräusch zu hören, das vom Ventilator eines Diaprojektors stammen könnte, und – durchaus ein wenig nervtötend – den maschinellen Charakter der Bilderproduktion untermauert. Diese in einer dichten Verschachtelung der Bildebenen tautologisch auf sich selbst verweisende Arbeit von Martina Weber thematisiert auf poetische Art das Sehen in Ausschnitten und das Herstellen von Bildern, ohne didaktisch zu sein“.

„The two monitors shine in the room like a pair of eyes. The same videotape is shown on both monitors, playing out of sync with one another, which makes seeing and perception, by means of image producing machines-like cameras, slide projections and video monitors, the subject of the work.The light of the slide projector swings through a dark, seemingly narrow, blocked space: a truly mysterious camera obscura. Time and again, one discerns a television monitor. As a result, the detail, which becomes visible through the panning of the light, shows further details and formats: the screen as projection surface, for example, or the frame of a window to the outside world, where, in turn, one sees another window in the background.“

Aargauer Kuratorium/Jurybericht Bildende Kunst/Auswahl 05. Verfasst von Nadine Olonetzky, externes Jurymitglied, freischaffende Kunstkritikerin. Translation: Rachel Lumsden

Archiv Magazin, Ausgabe Nr.1/2006

„Ausgangspunkt im Schaffen der Videokünstlerin Martina Weber ist der Raum. Abstraktion und Dekonstruktion sind ihre künstlerische Strategie. Mehrfachprojektionen überlagern sich, verschmelzen ineinander und lassen im filmischen Ablauf eine neue räumliche Wahrnehmung entstehen.“

Nadia Veronese, online magazin, archiv nr.1, www.kuenstlerarchiv.ch, im Oktober 2006

temps élastique, Ausstellungsraum Klingental, Basel

„Räumlich-zeitliche Verdichtung findet man in einer Arbeit von Martina Weber. Ihre Diplomarbeit „Reflexion“ aus dem Jahr 2005 ist eine Videoprojektion, die anmutet, als ob sie aus verschiedenen übereinander gelegten leisen Bildern bestünde. Zudem scheinen sich „Standbilder“ und leicht bewegte Bilder wie die Silhouette des Vogels zu vermischen. Die Beobachtung eines Abendhimmels mit einer Videokamera, kombiniert mit subtilen Ueberlagerungen, vorgeführt in einer Endlosschlaufe, bewirkt hier den Effekt des „Aufhebens“ der Zeit“.

It is the tendency to condense time and space that we find in Martina Weber’s work “Reflexion”. Her diploma work, which she made in 2005, is a video projection that seems to consist of several unobtrusive pictures superimposed one onto the other. Freeze-image and images that move, even if only slighly so, such as the silhouette of the bird, seem to mingle. The observation of the night sky with a video camera combined with subtle  overlays, presented as a loop, has the effect of “annihilating” time as it were.

Peter Stohler. „Temps Elastique“, 17. September – 15. Oktober 2006
Ausstellungsraum Klingental ARK, Basel, mit Angelo A. Lüdin, Irene Maag, Hildegard Spielhofer, Martina Weber und Labor, kuratiert von Peter Stohler. Translation: Sylvia Rüttimann

Elastic Time, Haus für Kunst Uri, Altdorf

Auch Martina Webers neueste Arbeit «Projektion.2006» nimmt die Idee der Raum-Zeit-Verdichtung auf. Wieder arbeitete sie mit einzelnen, sich langsam überblendenden Fotobildern. Im Atelier stellte sie ein Stativ mit einem Spiegel hin, darin spiegeln sich verschiedene Motive – Bilder, die sie nun wieder fotografiert und übereinander legt. Dadurch entsteht eine ganz eigentümliche Fantasiewelt, die nichts mehr mit unserem „normalen“ Raum- und Zeitempfinden zu tun hat.

Condensing time and space – also Martina Weber’s most recent work «Projektion.2006» takes up this idea. Again she worked with single photographs cross-fading into each other. She put a tripod onto which she had mounted a mirror in her studio. Different motifs are reflected in this mirror, which she photographs and then superimposes. This results in a quite particular world, imaginary and fantastic looking, very much removed from the way we normally perceive time and space.

„Elastic Time“, 2. März – 6. Mai 2007, Eva Baumann, Christian Denzler, Ingo Giezendanner, Pia Gisler, San Keller, Angelo Lüdin, Labor, Irene Maag, Nils Nova, Hildegard Spielhofer, Beat Streuli, Kris Vleeschouwer, Martina Weber. kuratiert von Sylvia Rüttimann, Direktorin ad interim Haus für Kunst Uri. Text: Sylvia Rüttimann

„Einen subtilen Umgang mit der Zeit lässt Martina Weber (1975 in Basel geboren) in ihren beiden Videoarbeiten erkennen, die nicht nur jede Zeit aufheben, sondern auch das Bild in Ueberlagerungen und Reflexionen zur irrealen Vorstellung umformen, über dessen Wirklichkeitsbezug keinerlei Klarheit mehr herrscht: Was ist Spiegelung, was Vortäuschung oder Abbild?“

Urs Bugmann, Haus für Kunst Uri. Kunst bewahrt und verformt die Zeit, Neue Luzerner Zeitung vom 2. März 2007

Atelier Jurybericht 2007, Aargauer Kuratorium. Martina Weber *1975, St. Gallen.

Martina Webers Hauptinteresse gilt dem Raum und seiner sich verändernden Wahrnehmung in verfremdeten Raumkonstruktionen. Ihre künstlerische Strategie ist Abstraktion und Dekonstruktion von räumlichen Gegebenheiten anhand bewegter Bilder, Fotografien und Diabildern, welche als Videowiedergabe gefilmt und mehrfach überlagert werden. Die zum Teil fast tautologische Verschachtelung verschiedener Bildebenen lässt neue Bilder, eine andere Wahrnehmung von Raum entstehen. Einzelne Raumsituationen werden beim Herstellungsprozess nacheinander projiziert und ordnen sich einem zeitlichen Ablauf unter. Die Künstlerin ist bestrebt, ihren räumlich, das heisst, installativ präsentierten Arbeiten eine filmisch geschlossene Form zu geben. Aus einfachen Sachverhalten, wie der filmischen Aufnahme eines Monitors mit wiedergegebenen Bildern, entstehen komplexe Raum-Bildkonstruktionen, die nicht nur die Wahrnehmung von Raum thematisieren, sondern die Produktion von Bildern schlechthin. Im inspirierenden Umfeld Londons möchte Martina Weber während drei Monaten Zeit und Raum für neue Auseinandersetzungen mit ihrer künstlerischen Strategie finden. Dafür stellt ihr das Aargauer Kuratorium sein Londoner Atelier zur Verfügung.

A space and its ability to be changed assuming unfamiliar spacial configurations, forms the main interest for Martina Weber. At the heart of the artistic strategy of Weber is an exploration into the Abstraction and Deconstruction of the spacial environment in conjunction with moving pictures (video), photography and slides, which as video reproduction is repeatedly superimposed. This is sometimes almost leading to new images and opening up other perceptions of the space. Another perception of the space each individual environment forms evolve as the projections follow in a chronological sequence. The artist attempts to present, in her space, installation work in a cinematic form.

„Meine Arbeiten beziehen sich auf räumliche Umgebungen, sie entwickeln in Form von Raumprojektion verfremdete Raumkonstruktionen […].“

„My work is moving into the clean spacial environment, and I’m developing unfamiliar spacial constructions using projections.“

„Ich erhoffe mir, in einer intensiven und unabgelenkten Zeitphase, an einem anderen temporären Atelierort, in der Atelierwohnung in London East End, mit Fotografie und Video in der Umgebung Material zu sammeln, um es im Atelier für weitere Bildverfremdungen installieren zu können und Innen und Aussen, Spiegelung und Reflexion als Werkgegenstand zuverwerten und zu inszenieren.“ Martina Weber

Aargauer Kuratorium/ Jurybericht Atelierjurierung 2007/ Verfasst von den Fachgruppenvorsitzenden des Aargauer Kuratoriums. www.ag.ch/kuratorium/de/pub/publikationen/juryberichte.php. Translation: Peter Dew

Saaltext, „Lichtbild-Leerbild“, Interaktive Videoinstallation, Videotank, Zürich

In ihrer aktuellen Videoarbeit Lichtbild-Leerbild bezieht sich Martina Weber auf die Raumsituationen unter der Dreikönigsbrücke und bespielt den Ort neu. In den zwei äusseren ehemaligen Forellentanks konfrontiert die Künstlerin den Betrachter mit verschiedenen Wohnblockfassaden, die sie mit Bildern vor Ort kombiniert und somit den Eindruck eines pulsierenden urbanen Umraums entstehen lässt. In den mittleren Forellentank stellt die Künstlerin eine Lampe, die zugleich als Bildschirm und Leuchte fungiert und mittels Bewegungsmelder von den Besuchern ein- und ausgeschaltet werden kann. Betreten Passanten die Unterführung, so blinkt die Lampe auf und durch das grelle Licht verschwinden die Fotosequenzen, die auf den Lampenschirm projiziert werden. Für einen Moment entsteht dadurch eine Art „Leerbild“, das der Betrachter mit seinen eigenen Eindrücken des Gesehenen und des Ortes anreichern kann.

In Martina Webers Arbeit überlagern sich grundsätzlich drei Bildtypen. Es gibt die Standbilder, die die Situation unter der Brücke mit dem Wasser und den Booten wiederspiegeln und als eher leise Bildschicht funktionieren. Diese Ruhe wird von wechselnden Dias von Fassaden in s/w unterbrochen. Sie verleihen der Arbeit eine zusätzliche zeitliche Dimension, indem sie an Aufnahmen einer anderen Zeit oder an verblasste Erinnerungsbilder denken lassen. Die Lampe wiederum ist Bild und Objekt zugleich. Sie wiederholt auf ihre Weise die An- und Ausbewegungen der „urban slides“ und lässt gerade im Kontext Schanzengrabens auch an einen Leuchtturm oder an ein Warnlicht denken. Durch das abwechslungsreiche Spiel von Überlagerungen und Mehrfachprojektionen einerseits und durch die Reflektion über die angewandten Medien andererseits, hinterfragt Martina Weber sowohl den Wirklichkeitsbezug des Abbildes und als auch die Konditionen unserer Wahrnehmung und schafft eine Arbeit, die irritierend und poetisch zugleich ist.

Nadja Baldini

Video tank, Zürich zeigt „Lichtbild – Leerbild“ von Martina Weber 07.09.-06.11.2007

Eine Zeitlang, in den frühen 70er-Jahren, schwammen Forellen und anderes Gefische in den Fenstern der Fussgängerunterführung der Dreikönigsbrücke am Zürcher Schanzengraben. Dann kam die Ölkrise und der Spass verschwand. Gut dreissig Jahre später findet eine künstlerische Rückeroberung und Umnutzung der Aquarien als Videotank statt. Seit einem Jahr bespielen auf Einladung von publiclab (Anna Kanai, Tian Lutz, Nadja Baldini) Medienkünstler den städtebaulich interessanten, aber abgeschiedenen Ort nahe dem Luxushotel Baur au Lac.

Zurzeit gastiert die in St. Gallen lebende Künstlerin Martina Weber mit der dreiteiligen Arbeit «Lichtbild-Leerbild» im Videotank. Martina Weber, 1975 in Basel geboren und zurzeit als Atelierstipendiatin des Aargauer Kuratoriums in London unterwegs, aktiviert in der Videotank-Arbeit die bestehende Lampe im mittleren Fenster mit Bewegungsmeldern und nutzt sie sowohl als lichtspendendes Objekt als auch als Bildschirm für Fotosequenzen, die verblassen, sobald die Lampe zündet. Gleichzeitig zeigt sie in den zu Monitoren umfunktionierten seitlichen Aquarienfenstern Filmloops, die Wohnblockfassaden und situationsbezogene Bilder vor Ort kombinieren. (ubs) Bis 22. Oktober, www.videotank.ch (www.videotank.ch/?p=p98)

Ursula Badrutt Schoch, Installation Bilderfischen, St. Galler Tagblattvom 6. Oktober 2007

Saaltext, Ausstellung im Gluri Suter Huus, Wettingen

Raum und Architektur, diese Stichworte prägen auch Martina Webers Arbeiten. „Ein pulsierender urbaner Umraum“, das schaffe die Künstlerin, steht im Pressetext über ihre interaktive Videoinstallation „Lichtbild-Leerbild“, die Weber im Zürcher Off space Videotank zeigte und aus der sie die im Gluri Suter Huus ausgestellten Fotografien „Lampe“, eine Serie von 1-8 Bildern (Grösse: 84.1 x 59.4 cm) entwickelte. Und tatsächlich, Elemente eines solchen Raumes waren sehr wohl auszumachen: Häuserfassaden waren zu sehen und sogar Ansichten des Zürcher Schanzengrabens mit Booten. Das Pulsieren wird aber nicht durch Menschen hervorgerufen, denn genau wie bei Aerni fehlen diese auch in Webers Arbeiten, oder sind nur durch das Vorhandensein einer Lampe und eines implizierten Innenraumes zu erahnen.

Obwohl auch bei Martina Weber Raum und Architektur eine Rolle spielen, zeigt sich ein grundsätzlicher Gegensatz zu Aernis Arbeiten. Weber arbeitet nicht dokumentarisch. Ihre Räume sind inszeniert und kommen in der realen Welt so nie vor. Sicher, sie bestehen aus realen Elementen – wie dem Schanzengraben Kanal und den Booten in Zürich, den wechselnden Dias mit den Häuserfassaden und der Lampe als Lichtindikator, die auf und abblendete; in ihrer früheren Arbeit „Projektion“ war es ein Stativ mit einem runden Spiegel, das sie in ihrem Atelier aufbaute und aus verschiedenen Winkeln abfotografierte; im Video Reflexion Ausschnitte aus einer Landschaft mit einem Vogel, d.h. einer aufgeklebten Plastikfolie – aber diese Elemente werden von ihr neu zusammengestellt und überlagert. Meist endet dies nicht nur in einer Fotografie oder einem Dia, sondern diese Einzelbilder werden nochmals gefilmt und als Videoloop projiziert. Die einzeln fotografierten Teile – seien das vorgefundenen oder in ihrem Atelier inszenierte Situationen – werden in räumlichen Mehrfachprojektion, aber auch einem zeitlichen Ablauf zu einem neuen fiktiven Raum- und Zeitgefüge zusammenstellt. Es entsteht eine Art filmische wie mediale Collage, die die Realität zu einem Verwirrspiel macht.

Im Fall von „Lampe“ ist dies ein Dia, das, zwei 16 mm-Filmstreifen wiedergebend, von einer Beamprojektion, welche ein anderes Foto desselben Films ist, überleuchtet und dann abfotografiert wurde. Dieses Schichten von zwei Projektionen führt zu einer Raumtiefe, die durch die Lampe im Vordergrund noch unterstützt wird, gleichzeitig ist die Lampe auch Projektionsfläche. Die Fotoserie zeigt durch die feinen Veränderungen der Aufnahme Varianten desselben Filmmaterials auf, einige sind in Langzeitaufnahme aufgenommen. Durch das Scharfstellen des Dias wird ein zeitlicher Ablauf sichtbar, Zeit „brennt“ sich mit Licht ein. Die Filmstreifen als Motiv erwecken den Eindruck, als würde das Standbild pulsieren, in Serie wirkt das wiederkehrende Motiv rhythmisiert. Martina Webers Arbeiten zeugen so einerseits von einer grossen Experimentierfreudigkeit – häufig erinnern ihre Werke auch an Experimentalfilme, an frühe Versuche, Illusionen zu kreieren – konfrontieren uns aber vor allem mit Fragen über Wahrnehmung und Wirklichkeit: was kann ein Foto zeigen, wie wird Film wahrgenommen, der nicht als eigentlicher Film abgespielt wird?

Georg Aerni, Natalie Hauswirth, Martina Weber – Ausstellung im Gluri Suter Huus Wettingen, 4. November – 16. Dezember 2007. Text: Sylvia Rüttimann.

4. November – 16. Dezember 2007, Galerie im Gluri Suter Huus, Wettingen

Martina Weber (1975 in Basel geboren) studierte bildende Kunst und Medienkunst und lebt heute in St. Gallen. Sie untersucht, wie sich Realität im Raum angesichts der Zeit verhält. In der Foto-Print-Serie «Lampe» sind Täuschungen zu sehen, wie sie die Camera obscura liefert. Die Ansichten sind farbarm und es erscheinen seltsame Lichtstreifen.

Die zusätzlichen Schichtungen und Überlagerungen im Bild ergeben sich nach mehreren Arbeitsgängen. Weber filmt Fotos und fotografiert wiederum die Bilder des Videos, die wie Sichten aus dem Fenster eines Hochhauses in das benachbarte Hochhaus wirken. Und diese Bilder spiegeln sich wiederum zusätzlich auf einem Lampenschirm.

Pia Zeugin, Bildende Kunst Im Wettinger Gluri Suter Huus, Aargauer Zeitung vom 9. November 2007

show down #10, 5. Juni 2008, exex, St.Gallen

Martina Webers Arbeit scheint sich auf den ersten Blick beiläufigen Themen zu widmen, dem unauffälligen und unwesentlichen, wie dem Plastikgehäuse eines Fernsehers oder der nichtssagenden Fassade eines Hochhauses. Bei genauerem Hinschauen zeigt es sich jedoch, dass Monitorrahmen und Bildschirm, Fassade und Fenster die vier Grundelemente sind, welche in Martina Webers Arbeit regelmässig erscheinen, seit sie vor drei Jahren die Hochschule für Kunst und Design in Basel abgeschlossen hat. Diese vier Schlüsselelemente sind nicht nur miteinander verbunden, sie gehen auch ineinander über: ein Fenster ist ein Bildschirm, ein Bildschirm ist ein Fenster; eine Fassade ist ein Rahmen, ein Rahmen ist eine Fassade.

Es scheint, dass eine grundsätzliche Neugier an Prozessen und die Frage «was wäre wenn?» Webers Methode vorantreibt, das Filmen und wieder Filmen überlagerter Projektionen, die ihrerseits Substrate vorgängiger Fotografien oder Filmsequenzen sind; sich auf diese Arbeit einzulassen, bedeutet die Teilnahme an einer archäologischen Ausgrabung von vertikal gelagerten Bilderschichten, die auf der horizontal laufenden Zeitachse ausgelegt sind.

«showdown eins» zeigt eine Kurzsequenz, in der horizontale Bildbänder übereinander gestapelt sind wie die Stockwerke eines Hochhauses. Die Sequenz läuft stumm und dauert etwa zehn Sekunden, bevor sie wieder beginnt. Auf den ersten Blick könnte man sie für ein Standbild halten, so unscheinbar sind die ablaufenden Veränderungen.
Die mittlere Spur ist bis zu einem gewissen Grad als fragmentiertes Filmband lesbar, das Fenster in einer Fassade zeigt. Die Elemente der obersten Bildspur sind hingegen so entstellt, dass sie nur noch an mottenzerfressene «Mario-Brothers»-Figuren erinnern, ein Hinweis auf das Thema der Zeit und das unvermeidliche Abtragen von Material. Heute da, morgen fort.

Ein Schlüssel zu Martina Webers Arbeitsprozess ist zwischen diese Bänder gebettet; erkennbar ist ein Teil des Präsentationsfensters von Quicktimemovie mit Play-taste als Hinweis darauf, dass das Bild einmal, zweimal, dreimal verfremdet worden ist und so einem Destillationsverfahren unterliegt, analog zu den Veränderungen, die das Vergehen von Zeit bewirkt.

Wenn sich «showdown 1» mit Fassade und Oberfläche beschäftigt, so ist «showdown 2» in der hinteren Ecke das subkutane Gegenstück: eine stumme Projektion mit langsamem Lidschlag, wie ein Paar aufmerksame Katzenaugen. Dieses zweiäugige und zwischen andere exex-Wandlöcher gesetzte Guckloch, thematisiert die beiden Grundelemente Fenster und Bildschirm, nämlich die Möglichkeit, gleichzeitig hinein und hinaus zu sehen, zu betrachten und betrachtet zu werden.

The subject of Martina Weber’s work appears at first glance to be incidental, the focus falling on the seemingly unremarkable and inconsequential – the plastic casing of a TV-monitor, the bland façade of a high-rise block. On closer inspection it becomes apparent that monitor-frame and screen, façade and window, are the four principal elements consistently occurring and reoccurring in the work she has made over a three-year period since graduating from the University of Art and Design, Basel in 2005. These key elements are not only connected with one another, they merge together: A window is a screen, a screen a window; a façade a frame, a frame a façade.

It would seem as though a basic curiosity about process and the question „what if?” is the motor propelling Weber’s methodology: The filming and re-filming of overlaid projections, which are in turn, excerpts from previous photographs or film sequences. To engage with the work means participating in an archaeological excavation of vertical image-strata, laid over a horizontal time-line.

 “Showdown 1” presents a short time sequence in which horizontal bands are piled one above the other like the floors of a multi-storey building. The projection sequence runs silently for some 10 seconds before starting over again and it could, at first glace, be mistaken for a still, so slight are the unfolding changes. The middle track is readable, to some extent, as a fragmented filmstrip showing windows in a façade. The fragments on the uppermost track are degraded to such a degree that they more resemble moth-eaten “Mario-brother” figures:  A hint at the theme of time and the inevitable wearing away of substance. Here today, gone tomorrow.

A clue to Martina Webers workingprocess” is sandwiched between these layers: Part of a QuickTimeMovie presentation-window, with play button clearly discernable, is the key to perceiving that the image is once, twice, thrice removed; that it has been subjected to a process of distillation analagous with the transformations caused by the passage of time. If showdown 1 is concerned with façade and external surface, showdown 2, in the far corner of the room is the subcutaneous counterpart: A silent, slowly blinking projection, like a pair of watchful cats eyes. This binocular-peephole, wedged between other fissures in the walls of exex, relates to window and screen and the possibility of looking out and of looking in, of observing and being observed.

Text/Translation: Rachel Lumsden. Show down, 5/12. Juni 2008, exex, Oberer Graben, St. Gallen